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Unser Hund – der vierbeinige Spiegel

In vielen vergangenen Blogbeiträgen habe ich mich mit Themen der Hundeerziehung beschäftigt. In dem heutigen Blogbeitrag möchte ich mich einem Thema widmen, das bei der ganzen Erziehung oft viel zu kurz kommt: der Mensch.

Es gibt einen schönen Spruch von Woodrow Wilson: „Wenn ein Hund nicht zu Ihnen kommen will, nachdem er Ihnen ins Gesicht gesehen hat, sollten Sie nach Hause gehen und Ihr Gewissen prüfen.“

Wie ich bei unzähligen Hausbesuchen unserer mobilen Hundeschule immer wieder feststelle, reflektiert nichts unser Innenleben so genau wie das Verhalten unserer Hunde. Sie leben nicht in der Welt der Gedanken, der Logik, des Bedauerns über die Vergangenheit oder der Sorge um die Zukunft und begegnen uns und einander deshalb im Hier und Jetzt sowie auf einer rein instinktiven Ebene. Ihr Interesse an uns kreist darum, wie sich unser persönliches Verhalten und unsere Stimmung auf den Rest des Rudels auswirken. Und wenn irgendetwas in uns die Stabilität der Gruppe bedroht, werden unsere Tiere das umgehend widerspiegeln – manchmal subtil, manchmal dramatisch.

„Unausgeglichene Menschen anstatt instabile Hunde“

Mann mit Hund

Die Stimmung des Hundehalters überträgt sich sehr stark auf das Verhältnis zwischen Mensch und Hund (Bild © freeimages,com).

Oftmals habe ich es in der Praxis mit unausgeglichenen Menschen zu tun als mit einem instabilen Hund. Oftmals können die Hundehalter noch nicht einmal damit anfangen, das Verhalten ihres Hundes zu korrigieren, da Sie nicht nur nicht wissen, wie Sie es praktisch anfangen sollen, sondern weil jeder einzelne Schritt von ihrem eigenen Hund argwöhnisch beobachtet wird. Da der Hund in dieser Situation dem Menschen nicht traut, ihn auch nicht wirklich ernst nimmt, ist der Misserfolg schon vorprogrammiert.

Wozu führt das nun wiederum bei den Menschen? Die Unausgeglichenheit verstärkt sich, der Hund nimmt es wahr – und fühlt sich in seinem falschen Verhalten bestätigt.

Falls Sie ein Problem mit Ihrem tierischen Gefährten haben, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass irgendetwas in Ihrem eigenen Leben ein wenig aus dem Tritt geraten ist. Im Gegensatz zu uns Menschen denken Hunde nicht ständig eigennützig über ihre Bedürfnisse nach. Der Schutz ihres Egos hat bei ihnen nicht Priorität. Hunde „denken“ an das Wohl des Rudels, und wenn Sie als Mensch nicht gut organisiert sind, wird Ihr Hund feststellen, dass er in einem instabilen Rudel lebt – und entsprechend handeln.

Hunde wissen um das Gemüt des Halters

Unsere Hunde können unsere emotionale Befindlichkeit auf die verschiedenste Art und Weise registrieren. Da sind zum einen ihre unglaublich starken Nasen. Sie retten bei Such- und Rettungsaktionen Leben und inzwischen verwenden Wissenschaftler Hunde sogar, um alles Mögliche zu erschnuppern. Heute haben Hunde neue Aufgaben, wie zum Beispiel Krebs, Diabetes und andere bedrohliche Krankheiten beim Menschen zu erschnuppern.

„Wir haben vierbeinige Lügendetektoren zu Hause“

Hunde sind in der Lage, Buttersäure – einen der Bestandteile des menschlichen Schweißes – in einer eine Million Mal niedrigeren Konzentration zu riechen als wir. Wissen Sie, wie Lügendetektoren arbeiten? Sie messen den Anstieg der menschlichen Schweißabsonderung. Wir Hundehalter haben also alle mehr oder weniger einen vierbeinigen Lügendetektor zu Hause.

Wir beeinflussen mit unseren Gefühlen unsere Hunde und machen sie somit zum Spiegel unserer Empfindungen. Die Menschen, mit denen ich arbeite, lieben ihre Hunde aus tiefstem Herzen und wollen wirklich nur das Beste für sie. Aber am Ende machen sie sie trotzdem immer wieder für die Probleme verantwortlich, denen sie sich in ihrem eigenen Leben nicht stellen wollen oder deren sie sich nicht bewusst sind. Es ist wie bei dem Chef, der seinen Angestellten ihre mangelnde Selbstsicherheit vorwirft, obwohl er sie gleichzeitig ständig kritisiert. Man kann nicht beides haben!

Posted in: Hundehaltung

About the Author:

Detlev Schönfelder ist leidenschaftlicher Hundetrainer und Geschäftsführer der mobilen Hundeschule "Tophundeschule". Außerdem bloggt er zum Thema Hundeerziehung und Hundehaltung, schreibt Fachartikel für Magazine und ist Gast in verschiedenen TV-Sendungen zum Thema "Hundeerziehung". Für Ihre Fragen steht Ihnen Herr Schönfelder jederzeit mit Rat und Tat gerne zur Verfügung: (Tel: 040 - 64 68 98 12 | Mobil: 0172 - 27 16 69 7 | Mail: info(at)tophundeschule.de).

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