Kostenloses Hundetraining-Angebot Banner

Tipp des Monats – November 2015: Die Führung im Rudel – Gedanken zum Rudelkonzept

Um unsere Hunde besser zu verstehen, müssen wir uns auch an das Rudelkonzept erinnern, das auf das Wolfsrudel zurückzuführen ist. Dieser Beitrag legt seinen Schwerpunkt auf die Hierachie im Rudel und gibt dabei besonders interessante Einblicke auf die Führung im Rudel, das Alphapaar und wie sich diese wichtigen Erkenntnisse auf unsere Hundeerziehung auswirken können und auch sollten.

Ich schätze die Intelligenz des Hundes ganz gewiss hoch ein. Zu manchen Zeiten frage ich mich sogar, ob unsere Hunde nicht klüger sind als einige Menschen, denen ich begegne. Doch selbst ich musste akzeptieren, dass es Dinge gibt, die über den Horizont eines Hundes gehen. Hunde können niemals die menschliche Sprache erlernen. Die schlechte Nachricht lautet demzufolge, dass wir, um erfolgreich mit unseren Hunden zu kommunizieren, ihre Sprache lernen sollten. Diese Aufgabe aber setzt Aufgeschlossenheit und Achtung vor dem Tier voraus. Wer einen Hund als minderwertiges Wesen, als reines Sportgerät zur Befriedigung eigener Eitelkeiten oder als eine Art Untertan betrachtet, wird beim Hund kaum etwas erreichen. Der Hund muss von uns jederzeit um seiner selbst Willen respektiert werden.

Hundehaltung erfordert es die Sprache der Hunde zu lernen. Sie erfordert weiterhin Aufgeschlossenheit, Achtung und Respekt vor dem Lebenwesen.

Doch nun die gute Nachricht: Weltweit sprechen alle Hunde nur eine einzige Sprache. Stellen Sie sich das für einen kurzen Moment mal für die Menschheit vor: Wir Menschen müssen uns in einer verwirrenden Vielfalt von Sprachen und Dialekten verständigen. Die Sprache der Hunde ist ruhig und extrem aussagefähig und besteht im Grunde genommen nur aus einer Reihe von Prinzipien. Mit ein paar kleineren Variationen bestimmen sie die Verhaltensmuster aller Hunde. Um die Prinzipien dieser Sprache zu verstehen, müssen wir zuerst die Gemeinschaft  verstehen, in der alle unsere Hunde zu leben glauben – dem Wolfsrudel.

Hunderudel

Im Rudel muss der Hund lernen seinen richtigen Platz zu finden.

Wurzeln im Wolfsrudel

Selbstverständlich hat sich der Hund unserer Zeit in Aussehen und Lebensweise, die ja in über 5000 Jahren der Evolution gefördert wurden, weit von seinem Urahn entfernt. Doch eines hat der Mensch mit seinen Züchtungen nicht geschafft: Durch die Evolution hat der Hund seine grundlegenden Instinkte nicht verändert. Zwar wurde der Hund aus dem Wolfsrudel herausgenommen, doch hat er dabei die in einem Wolfsrudel geltenden Grundregeln nicht verloren. Zwei ungeheuer wirksame Kräfte lenken das Leben im Wolfsrudel. Die erste ist der Überlebenstrieb, die zweite der Fortpflanzungstrieb.

Um Überleben wie Fortpflanzung zu garantieren, hat der Wolf ein hierarchisches System entwickelt, das so unerbittlich und erfolgreich ist wie das jeder anderen Tierart auch. Ein Rudel besteht aus dem Anführer und seinen Untergebenen. Und an der Spitze der Rangordnung jedes Rudels rangieren die absoluten Herrscher: das Alphapaar (ein unmodernes Wort in der heutigen Zeit).

Die Aufgabe des Alphapaares – vier Rituale im Rudel

Aufgabe des Alphapaares, also der stärksten, gesündesten, intelligentesten und erfahrensten Mitglieder des Rudels, ist es, das Überleben aller sicherzustellen. Dafür beherrschen sie das Rudel und bestimmen alles, was gemacht wird, wie Jagdzeit, Schlafenszeit, Ruhezeit und Spielzeit. Sie festigen ihre Stellung unter den Artgenossen durch die permanente Demonstration ihrer Autorität. Die wird noch dadurch gestärkt, dass sie als einzige im Rudel für die Fortpflanzung sorgen. Das Alphapärchen lenkt das Leben im Rudel, die übrigen Mitglieder akzeptieren unverbrüchlich die Regeln. Jedes untergeordnete Tier ist zufrieden, weil es seinen Platz kennt und auch seine Aufgaben innerhalb der Rangordnung. Sie alle leben glücklich in dem Bewusstsein, dass sie eine lebenswichtige Rolle für das Wohlergehen des Rudels zu spielen haben.

Es überrascht kaum, dass das Alphatier während der Jagd und bei der Fütterung die wichtigste Rolle spielt (1. Ritual). Die Nahrung ist schließlich das fundamentale Bedürfnis des Rudels, sein Überleben hängt davon ab. Wenn die Nahrung erlegt ist und die Mahlzeit beginnt, hat das Alphatier wiederum absoluten Vorrang. Das Wohl des Rudels hängt schließlich davon ab, dass die Anführer bei Kräften bleiben. Erst wenn sie satt und zufrieden sind und signalisieren, dass ihre Mahlzeit abgeschlossen ist, dürfen sich die anderen Rudelmitglieder über den Rest der Beute hermachen. Auch das geschieht entsprechend der strengen Rangordnung, nach der die älteren Tiere zuerst und die jüngeren zuletzt drankommen.

Wenn das Rudel in sein Lager zurückkehrt, werden die Jungen und ihre Aufsicht mit dem gefüttert, was die Jäger von ihrem Fressen wieder herauswürgen (2. Ritual). Diese Ordnung ist absolut und unumstößlich. Jeder Wolf reagiert aggressiv auf seinen Artgenossen, der im Widerspruch zur Rangordnung versucht, vor ihm zu fressen. Auch die Tatsache, dass die Rudelmitglieder Blutsverwandte sind, hindert ein Alphatier nicht daran, jeden, der gegen die strengen Regeln verstößt, anzugreifen.

Damit sind wir, nach Jagd und Fütterung, bei der dritten Situation, in der die natürliche Ordnung des Rudels von Bedeutung ist. Das Alphatier nimmt seine Führerrolle unerschrocken wahr – und zwar an vorderster Front. Es reagiert auf eine Bedrohung auf dreierlei Weise – durch Flucht, Abweisung oder Kampf. Das heißt, es sucht sein Heil entweder in der Flucht an der Spitze des Rudels, im Ignorieren der Bedrohung oder in der Selbstverteidigung. Für welche Reaktion sich die Alphatiere auch entscheiden – das Rudel wird voll hinter ihnen stehen.

Das vierte wichtige Ritual wird praktiziert, wenn das Rudel nach einer Trennung wieder vereint ist. Sobald sich die Gruppe erneut versammelt hat, muss das Alphapaar alle eventuellen Unklarheiten beseitigen, indem es seine dominante Rolle durch klare Signale an die übrigen Rudelmitglieder unterstreicht. Das Paar hat einen bestimmten Freiraum um sich, eine Zone der persönlichen Behaglichkeit, und es agiert innerhalb dieser Zone. Kein anderes Rudelmitglied darf in diesen Raum eindringen, wenn es nicht ausdrücklich dazu aufgefordert wird. Indem das Alphapärchen die Aufmerksamkeit eines anderen Tieres, das seine Zone betreten möchte, zurückweist oder akzeptiert, verstärkt es seinen Führungsanspruch im Rudel, ohne dass es zu Gewalt oder Grausamkeiten kommt.

Fazit

Auch wenn wir glauben, wir hätten es mit vollständig gezähmten Haustieren zu tun, so sind doch unsere Hunde tatsächlich davon überzeugt, aktiv handelnde Mitglieder einer Gemeinschaft zu sein, deren Prinzipien und Rituale direkt von denen eines Wolfsrudels abgeleitet sind. Ob dieses Rudel nur aus dem Hund und seinem Besitzer oder aus einer Großfamilie von Menschen und anderen Tieren besteht, spielt dabei keine Rolle. Der Hund glaubt immer, er sei Teil einer sozialen Gruppe und einer Rangordnung, an die man sich für alle Zeiten zu halten hat.

Alle Probleme, die wir mit unseren Hunden haben, wurzeln in der Meinung unserer Hunde, dass nicht wir, ihre Besitzer, sondern sie die Anführer ihres speziellen Rudels seien – und wenn es auch nur bestimmte Situationen betrifft. Und genau das macht die Sache so schwierig.

Weitere Informationen zur artgerechten Hundeerziehung:

Besuchen Sie die Tophundeschule auf Facebook. Dort finden Sie weitere Tipps und Anregungen. Wir  veröffentlichen auf dieser Seite laufend Kurioses, Lustiges, Spannendes und lehrreiche Informationen rund um den Hund. Besuchen Sie auch unseren Blog. Dort finden Sie viele weitere Artikel rund um das Thema Hund.

Die Trainer der Tophundeschule wünschen Ihnen und Ihrem Hund weiterhin viel Spaß!

Ihr Team von Schönfelder DogCoaching
Die mobilen Hundetrainer

Posted in: Tipp des Monats

About the Author:

Detlev Schönfelder ist leidenschaftlicher Hundetrainer und Geschäftsführer der mobilen Hundeschule "Tophundeschule". Außerdem bloggt er zum Thema Hundeerziehung und Hundehaltung, schreibt Fachartikel für Magazine und ist Gast in verschiedenen TV-Sendungen zum Thema "Hundeerziehung". Für Ihre Fragen steht Ihnen Herr Schönfelder jederzeit mit Rat und Tat gerne zur Verfügung: (Tel: 040 - 64 68 98 12 | Mobil: 0172 - 27 16 69 7 | Mail: info(at)tophundeschule.de).

3 Comments on "Tipp des Monats – November 2015: Die Führung im Rudel – Gedanken zum Rudelkonzept"

Trackback | Comments RSS Feed

  1. Stegerts sagt:

    Spitzen artikel, ein Rüdel zu führen ist ein unvergleichliches gefühl! Das sollte jeder mal ausprobieren..

  2. Sehr geehrter Herr Schönfeld,

    in Ihrem obigen Artikel fallen Worte wie, Rangordnung, Rudelführer und Alphatier. Wölfe leben in Familien und nicht im Rudel. Man muss immer von freilebenden Tieren ausgehen um auf das Verhalten zurückschließen zu können.Der Wissenschaft ist dieses längst bekannt.

    Dazu gibt es eine Reihe von wissenschaflicher Literatur, z. B. von Frau Dr. Feddersen-Petersen, Hundepsychologie. Calming signals, von Turid Rugaas. Hundeartige, von Thomas Riepe.

    Ich wünsche Ihnen einen schönen Feiertag

    Sabine Pleger
    Hundepsychologin n TR

  3. Martina sagt:

    Ich kann Stegerts nur zustimmen 😉 Die Leute die es einmal gemacht haben, die wissen, dass es einen Unterschied gibt. Einen Rüdel zu führen ist eben was außergewöhnliches 🙂

    LG Martina

Post a Comment